band 59: sonne & fußball – berlin juni 2006

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kapitel 1: rein in den sommer

schon am vormittag ist es heiß in der stadt – der sommer ist (für wie lange?) da. der innsbrucker hauptbahnhof ist zu mittag relativ leer der fahrscheinkauf geht schnell (wann wird’s endlich fahrkarten ins ausland als online-ticket geben?) der zug (milano-monaco) ist relativ voll (& rauchfrei) aber bei zwei italienerInnen ist platz; & italienische stimmen klingen nach urlaub auch wenn ich gerade in die andere richtung fahre.

münchen-ost: s-bahn in 10 minuten am bahnsteig gegenüber raucherbereich an der selben stelle eine fußball-fan mit schwarz-rot-gold am dekolleté verlässt den waggon.

das sitzplatz-im-flieger-via-sms-reservieren funktioniert nicht ich bin schon am check-in-automaten bevor das zweite sms eintrifft (das dann überhaupt nicht kommt). ruhig ist es am flughafen. – lesen im freien unter einem sonnenschirm. kein/e einzige/r andere/r passagierIn beim security check. raucherInnenstehtische & wlan vor den gates.

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kapitel 2: ankommen

die fußball-wm ist omnipräsent: überall fahnen überall fernseher überall fan-artikel. sommerlich ist es in berlin der blick über die stadt ist ein schönes wiederankommen.

sonntagsausflug aufs land. beim see im brandenburgischen nahe strausberg stehen viele schilder & häufige durchsagen sorgen für gründliche ordnung aber sonst ist es sehr friedlich.

rückfahrt durch marzahn – selbst hier ist erstaunlich viel platz zwischen den (renovierten) plattenbauten & neben der straßenbahnspur & zwischen den autofahrbahnen. – abend im mauersegler am mauerpark. taxis haben einen "kurzstreckenmodus" um 3 EUR. in der veteranenstraße stehen noch tische am gehsteig vor den lokalen. – & es wird früher hell hier.

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kapitel 3: kleine abenteuer

beim neuen zebrastreifen vor dem neuen hauptbahnhof sind ostdeutsche ampelmännchen im einsatz. der bahnhof ist seit kurzem fertig & ist architektonisch schon interessant. durch den sommer & die stadt spazieren: bundeskanzleramt reichstag brandenburger tor unter den linden – fußballarenen & fan-meile & viel stadt. die stelen sind wieder beeindruckend auch wenn es fast zu sonnig ist. hinter dem sony-center am potsdamer platz weist ein schild darauf hin dass ein bus ab 2001 nicht mehr hier stehen bleibt. das hingeklotzte protzviertel hier ist steril & letztlich einfach häßlich.

weiter durch die stadt per bus fuß u-bahn & straßenbahn. neue & bekannte gegenden. der ku’damm ist überfüllt kreuzberg bunt & der prenzlberg witzig. viel relaxte stadt.

straßenbahnhaltestellen werden häufig mit den beiden straßennamen der nächsten kreuzung bezeichnet. eine konditorei bietet wm-erdbeer-torte an. die u-bahn-waggons sind nicht klimatisiert die umsteigemöglichkeiten werden als "übergang zu …" angekündigt.

u-bahn. friedrichstraße. u-bahn. schwitzen. wittenbergplatz tautenzienstraße ku’damm. menschenmassen schieben sich langsam an standln (imbisse & fußball-fanartikel) vorbei. geschäfte. die hausnummern gehen am ku’damm im kreis. u-bahn. schwitzen.

jüdisches museum: gut gemacht informativ & beeindruckend. (garderobe verpflichtend aber gratis.)

bankomat am u-bahn-bahnsteig.

am abend: die kastanienallee bietet dutzende lokale mit tischen am gehsteig der prater (sic!) deftiges essen der depanneur/araber/… neben dem haus stärkungen.

mit der u-bahn (incl. fahrscheinkontrolle durch einen jungen mann mit jean & t-shirt) zum alex. warten auf die s9 … die junge frau in der s-bahn liest aufmerksam-unauffällig meinen t-shirt-aufdruck. die durchfahrt durch das ostkreuz bietet industriegeschichtliche ausblicke. auf den türen des s-bahn-waggons klebt ein hinweis dass diese an kalten tagen geschlossen zu halten sind.

treptower park: ein plan wäre ganz hilfreich zumindest ein paar wegweiser gibt’s. unter bäumen & durch wiesen zum rosengarten dann über die puschkin-allee zum sowjetischen ehrenmal – das (wenig überraschend) zum teil baustelle ist. ansonsten gigantomanisch mit markigen stalinsprüchen an einer art kreuzweg & einer riesigen statue am ende der anlage die (kind am arm & schwert in der hand) sehr nach christlichen heiligenbildern aussieht. - in summe stilistisch etwas anders als faschistische monumental-architektur wenn auch nicht wirklich besser; zumindest gibt’s für die glorifizierung der roten armee (& nicht einer person) ein reales historisches substrat in der beteiligung an der befreiung europas vom nationalsozialismus.

s-bahn-rundfahrt: treptower park – südkreuz (niegel-nagel-neuer bahnhof) – anhalter bahnhof (gotische buchstaben an der wand). martin-gropius-bau: die garderobenpflicht für meine "nicht-museum-tasche" wird augenzwinkernd zur mehrfachen erinnerung "für nächstes mal". photoausstellung robert polidori: photographien wie gemälde. nicht umwerfend teilweise ganz schön.

rund um den checkpoint charlie vermischen sich ost-kitsch mit touri-ramsch & wm-fanartikel. – durch die stadt spaziert: friedrichstraße gendarmenmarkt unter den linden …

im DHM zwei ausstellungen angeschaut (nach der anreise quasi von tür zu tür mit einer tram): "klassenfeinde" (100 jahre politische zum thema klassen – empfehlenswert) & "flucht vertreibung integration" (über deutsche flüchtlinge/aussiedler/umsiedler aus dem osten nach dem 2.weltkrieg).

& noch einmal nach kreuzberg genauer gesagt auf den kreuzberg/in den viktoriapark; ein angenehmer park auf einem hügel mit verwilderten wegerln & großen liegewiesen & einem nationaldenkmal (kriege gegen napoleon) mit schöner aussicht oben drauf. der eismann gibt mir – wie den kindern vor mir – zuckerstreusel auf die eiskugel & es passt zu wetter&stimmung.

schlendern durch die von der spätnachmittagssonne beschienene kreuzberg-&bergmannstraße; standln mit büchern (a.k.a. ramsch) restaurants mit tischen am gehsteig. eine (von den ständen her) lustige markthalle & 2 österreichische lokale gegenüber. stärkung am südstern.

erdbeerengeschäfte in den straßen. leute mit bierflaschen in den u-bahnen.

abend im kiez: essen gegenüber kino nebenan abschlussbier im anderen-nebenan.

lustige topographische bezeichnungen mit zeitgeschichtlichem bezug: platz der luftbrücke oder allee der kosmonauten.

ausflug in den tiefen osten. lange straßenbahnfahrt durch breite alleen zwischen neuen & kaputten häusern durch. ein einheimischer alkoholiker erklärt mir freundlich wo die tram stehen bleibt. – lichtenberg: hier hat’s richtig o-dorf-charakter; nur ist alles größer. – umsteigen in den bus der prompt im stau steckt; aber auch er hat anzeigen/-sagen für die stationen.

& hier ist das ziel der reise i.e.s.: das deutsch-russische museum in karlshorst; in the middle of nowhere & im gebäude in dem in der nacht vom 8. auf den 9.mai 1945 die bedingungslose kapitulation der deutschen streitkräfte ratifiziert wurde. in den 90er-jahren überarbeitet zeigt das museum mir & einem alten (russischen?) ehepaar in 16 kapiteln sehr detailliert v.a. die zeit des zweiten weltkriegs.

zurück in die zivilisation mit bus s-bahn & metro-tram; ab dem s-bahnhof karlshorst tritt die fußball-wm wieder auf (momentan ist ein viertelfinalspiel mit deutschland & noch dazu in berlin). schülerInnen vergleichen ihre zeugnisse.

berlins angeblich beste currywurst bei konnopke (würstlstand beim u-bahnhof eberswalder straße) getestet: schon lecker. in der kastanienallee ist auf beiden seiten alle paar meter ein lokal & jedes lokal hat einen fernseher auf der straße. der spaziergang wird zum stereo-fußball-hörspiel. die begeisterung des publikums ist größer als dessen kenntnis der regeln – das elfmeterschießen ruft fragen zum ablauf hervor. – nach dem deutschen sieg feiert berlin – auf den straßen bis in die morgenstunden & sehr gemütlich.

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kapitel 4: wieder nach hause

ein schöner samstag die gehsteige sind geputzt berlin macht pause zwischen der feier-nacht & den nächsten spielen. – doch einiger verkehr auf dem weg zum flughafen tegel einchecken am schalter (die maschinen sind zu weit weg) die letzte ansichtskarte in einen postkasten geworfen. der security check ist recht relaxed vor dem gate schauen sich die leute das gestrige (!) spiel im fernsehen an.

MUC: etwas mehr leute als vor einer woche; & viel mehr laufende fernseher. die s-bahn zum ostbahnhof kommt passend nach der landung & dem weg durchs flughafengebäude. die leere s-bahn bringt mich pünktlich zum ostbahnhof wo ich in den leeren (österreichischen) EC einsteige. halbwegs sonnig in innsbruck.


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